93 Prozent der Bürger wünschen individuelle Leistungen

(Frankfurt, 18. Juli 2008 –as-) Die Deutschen wollen ein anderes Gesundheitssystem. 93 Prozent wünschen sich individuelle Leistungen und sind auch bereit, dafür zu zahlen. Krankenversicherungen, Ärzte und Krankenhäuser erweitern ihre Angebote, etwa durch Zusatzleistungen für Selbstzahler oder Präventionsmaßnahmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants zu Strategien der Anbieter im deutschen Gesundheitssystem und deren Akzeptanz in der Bevölkerung. Befragt wurden 1.000 Erwachsene. Das Ergebnis: Die Bürger haben den Rollenwechsel von Leistungsempfängern hin zu aktiv handelnden Kunden angenommen.    

"Die Bürger möchten ein anderes Gesundheitsangebot", so Joachim Kartte, leitender Partner für den Bereich Pharma & Healthcare bei Roland Berger Strategy Consultants. "Die Menschen sind auf die neue Welt im Gesundheitswesen schon vorbereitet." Die überwiegende Mehrheit der Befragten sei bereit, für individuellere Leistungen tiefer in die Tasche zu greifen.

Die meisten Krankenversicherten wollen selbst entscheiden, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen. "93 Prozent würden vom Standardangebot der Krankenkassen abweichen und sich für einen anderen Tarif entscheiden – wenn sie könnten", so Kartte. Denkbar seien mehrstufige Modelle, die von einer Grundversorgung für geringere Beiträge bis hin zur Premium-Versorgung mit individuell zu buchenden, entsprechend teureren Zusatzleistungen reichten.

Umgekehrt würden viele auf für sie überflüssige Leistungen verzichten, wenn der Kassenbeitrag sich dadurch verringerte.

Neuartige Dienstleistungen

 Viele der Befragten können sich sogar völlig neue Dienstleistungen, wie etwa einen lebenslangen Gesundheitsbegleiter vorstellen. Die Mehrheit wäre zudem bereit, ihre Wohnung zum Gesundheitsstandort ausrüsten zu lassen. Dann könnten medizinische Daten wie Blutdruck oder Gewicht bequem zu Hause gemessen und an eine Kontrollstation übermittelt werden, ohne den Arzt zu besuchen. Dennoch: "Wichtigster Ansprechpartner bleibt der Hausarzt. Er besitzt einen Vertrauensvorsprung, der weit über die medizinische Betreuung hinausgeht", sagt Karsten Neumann, Co-Autor der Studie. Viele können sich auch vorstellen, Sportprogramme oder Ernährungsberatung wahrzunehmen. Kaum einer würde auf die freie Arztwahl verzichten. Bei Arzneimitteln nähmen dagegen 60 Prozent eine Beschränkung auf Vertragspartner der Krankenkassen hin, wenn dadurch die Beiträge sänken.

Die meisten Versicherten wünschten sich eine stärkere Förderung der Prävention. 83 Prozent meinen, der Gesetzgeber sollte finanzielle Anreize schaffen, um die Gesamtkosten des Gesundheitssystems zu senken. 81 Prozent würden Präventionspakete wahrnehmen. 61 Prozent würden die Koppelung von Krankenkassenbeiträgen an gesunde Lebensweise befürworten. 60 Prozent wären bereit, Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheits-Checks aus der eigenen Tasche zu bezahlen.